Archäologische Kostbarkeiten in der Shan-Region
Westlich der Stadt Taunggyi, der Hauptstadt des Shan-Staates in Myanmar, liegt mit der Padah-lin-Höhle eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Südostasiens. Die Höhle befindet sich im Randgebiet des Shan-Plateaus, rund 1.000 Meter über dem Meeresspiegel, und ist Teil eines weitgehend unerschlossenen Karstgebiets. Ihre Erforschung erlaubt Einblicke in das Leben frühzeitlicher Gemeinschaften, die die Region vom späten Paläolithikum bis in die Jungsteinzeit nutzten.
Steinzeitliche Werkstätten und Behausungen
Radiokarbondaten belegen eine Nutzung der Höhle seit etwa 13.400 Jahren. In dieser Zeit diente die östliche Hauptkammer nicht nur als Unterkunft, sondern offenbar auch als Werkstatt. Unter den über 1.600 geborgenen Artefakten befinden sich zahlreiche Abschläge, Rohmaterialien und unvollständig bearbeitete Werkzeuge. Neben einfach geschlagenen Choppern wurden auch bifazial bearbeitete Kerne, flächige Schaber und erste geschliffene Schneiden entdeckt. Die Materialauswahl ist vielfältig: Neben lokalem Kalkstein und Quarzit nutzten die Bewohner auch fossiles Holz, das in der Region in großen Mengen vorkam.
Die Gleichzeitigkeit von grob zugerichteten und geglätteten Werkzeugen zeigt einen Technikwandel an. Möglicherweise handelte es sich um eine Übergangsphase, in der neue Formen erprobt wurden, ohne ältere Fertigungsweisen aufzugeben. In der Forschung wird dieser Bestand der sogenannten „Hoabinhian-Kultur“ zugerechnet, einem regionalen Entwicklungszusammenhang des südostasiatischen Frühmesolithikums.
Bildzeichen aus Ocker
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Felsbildern, die sich an einer schwer zugänglichen Stelle oberhalb des Höhlenbodens befinden. In rotem Ocker aufgetragen zeigen sie Tiere wie Rehe, Bisonartige und Fische, dazu Handnegative sowie ein kreisförmiges Symbol, das als Sonne gedeutet wird. Einzelne Darstellungen wirken bewegt oder gruppiert, etwa eine Kuh mit Kalb, was auf eine ausgeprägte Beobachtungsgabe schließen lässt. Teile der Bilder sind von Kalksinter überlagert, was ihre zeitliche Tiefe zusätzlich stützt. Ein abgeschliffenes Stück Hämatit, das bei der Ausgrabung gefunden wurde, diente wohl zur Herstellung des Pigments.

Spuren des Alltags
Im Sediment der Höhle fanden sich zahlreiche verkohlte Knochen und Molluskenschalen, dazu grobe Keramikscherben mit Schnurmustern. Zwar lassen sich keine klaren Hinweise auf Ackerbau oder Tierhaltung feststellen, doch deuten Funde wie ringförmige Steinobjekte – möglicherweise Gewichte für Grabstöcke – auf erste Ansätze von Vorratswirtschaft. Die Fundstelle zeigt damit ein Wechselverhältnis zwischen Jagd, Sammeln und beginnender Sesshaftigkeit.
Forschung unter schwierigen Bedingungen
Erste Hinweise auf die Höhle gab ein Geologe Anfang der 1960er-Jahre. Systematische archäologische Grabungen erfolgten erst 1969 im Rahmen eines interdisziplinären Projekts unter Leitung des damaligen Archäologischen Dienstes. Dabei wurde eine mehrschichtige Nutzung festgestellt, ohne dass sich scharfe kulturelle Brüche fassen ließen. Die jüngsten Datierungen deuten auf eine Nutzung bis etwa 6.500 Jahre vor heute.
Trotz ihrer Bedeutung sind die Höhlen von Padah-lin bislang nur punktuell untersucht. Politische Instabilität und die schwierige Zugänglichkeit des Geländes haben weiterführende Forschungen lange verzögert.
Zum Weiterlesen
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Higham, Charles: Early Mainland Southeast Asia.* Bangkok 2014. – Standardwerk zur Frühgeschichte der Region.
Aung Thaw: The Neolithic Culture of the Padah-lin Caves. In: Asian Perspectives 14 (1971). – Erste systematische Auswertung der Grabungen von 1969.
Bildnachweis
Bilder: Wikimedia Commons, Comtebenoit.